Schutzhandschuhe gehören zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) im Arbeitsschutz. Sie werden zum Schutz von Haut und Händen oder zum Schutz von Produkten eingesetzt. Abhängig von der jeweiligen Tätigkeit gibt es dafür geeignete Schutzhandschuhe mit spezifischen Eigenschaften, welche für die jeweiligen Arbeitsbereiche vorgeschrieben sind.
Um den richtigen Arbeitshandschuh für den jeweiligen Arbeitseinsatz zu finden gibt es CE-Normen.
- EN 388 Mechanische Risiken
- EN 374 Chemikalien und Mikroorganismen
- EN 407 Thermische Risiken
- EN 12477 Schutzhandschuhe für den Schweißbereich
- EN 511 Schutz gegen Kälte
- EN 421 Ionisierende Strahlungen und radioaktive Kontamination
- EN 60903 Isolierende Schutzhandschuhe für Arbeiten unter elektrischer Spannung
- EN 1149 Statische Elektrizität
- EN 1082 Umgang mit Handmessern
- EN 381.4 Benutzung handgeführter Kettensägen
- EN 659 Feuerwehrhandschuhe
- EN 455 Medizinische Einmalhandschuhe
Diese Normen wurden von der EU festgelegt.
EN 420 - Allgemeine Anforderungen für Handschuhe
Alle Schutzhandschuhe müssen der EN 420 entsprechen. In der EN 420 werden die Mindestanforderungen in Bezug auf Gestaltung, Konstruktion, Unschädlichkeit, Tragekomfort, Zweckmäßigkeit, Kennzeichnung und Produktinformationen geregelt. Ausnahmen bilden Elektrikerhandschuhe und medizinische Einmalhandschuhe.
Um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden, unterscheidet der Gesetzgeber 3 Risiko Kategorien.
Aufgrund dieser Einteilung folgt die zugeordnete Spezialnorm einschließlich dazugehöriger Kennzeichnung und Dokumentation des Handschuhs. In der Regel werden Schutzhandschuhe für den gewerblichen Gebrauch der Kategorie II zugeordnet.
Kategorie I Minimale Risiken:
Es besteht nur eine geringe oder keine Verletzungsgefahr, z. B. bei Reinigungs- oder Schmutzarbeiten.
Kennzeichnung der Handschuhe:
CE-Zeichen
Artikel-Nummer
Größe
Artikelbezeichnung
Anschrift des Herstellers
Kategorie II Mittlere Risiken:
Arbeiten, bei denen eine Verletzungsgefahr nicht ausgeschlossen werden kann, z. B. Arbeiten mit scharfkantigen Teilen
Kennzeichnung der Handschuhe:
CE-Zeichen
Artikel-Nummer
Größe
Artikelbezeichnung
Anschrift des Herstellers
Piktogramme mit Level
Kategorie III Irreversible Risiken:
Arbeiten, bei denen irreversible Schäden oder tödliche Gefahren auftreten können, z. B. Arbeiten mit Chemikalien, Hochspannungsarbeiten
Kennzeichnung des Handschuhe:
CE-Zeichen
Artikel-Nummer
Größe
Artikelbezeichnung
Anschrift des Herstellers
Piktrogramme mit Level
Kennnummer des Prüf- und Überwachungsinstitutes
CE-Kennzeichnung
CE steht für »Conformité Européenne«, übersetzt etwa »Übereinstimmung mit den EU-Richtlinien« und ist lediglich ein Verwaltungskennzeichen. Der Hersteller selbst erklärt die Übereinstimmung mit den EU-Richtlinien.
Das CE-Kennzeichen ist der Produkt-Reisepass im innereuropäischen Warenverkehr.
Piktrogramme mit Level
Ab der Kategorie II müssen die Leistungslevel mit dem ensprechenden Piktogramm
- auf dem Schutzhandschuh
- auf der Gebrauchsinformation
- auf der Verpackung
angebracht sein. Die Reihenfolge der Leistungslevel ist einzuhalten und die Ziffern sind am Handschuh neben dem Piktogramm der Spezialnorm anzugeben.
Beispiel:
EN 388
Piktogramm
1 2 3 4
1 = Abriebfestigkeit (min. 0, max. 4)
2 = Schnittfestigkeit (min. 0, max. 5)
3 = Weiterreißfestigkeit (min. 0, max. 4)
4 = Stichfestigkeit (min. 0, max. 4)
Prüfung Level 1 Level 2 Level 3 Level 4 Level 5
Abriebfestigkeit 100 500 2.000 8.000
(Zyklen)
Schnittfestigkeit 1,2 2,5 5,0 10,0 20,0
(Index)
Weiterreißfestigkeit 10 25 50 75
(Newton)
Stichfestigkeit 20 60 100 150
(Newton)
Je höher die Ziffer, desto besser ist das Prüfergebnis.
Bekannte Hersteller von Schutzhandschuhen sind:
Mapa, KCL, Profas, Uvex, Ansell, Jutec, Hase, Texxor, Format...
Okkulsion und Mazeration
Die Haut stellt mit Ihrer Hornschicht eine Barriere gegen Einwirkungen von außen dar.
Wird ein Bereich der Haut (z.B. die Hand) von der Luft abgeschnitten (z.B. durch einen nicht atmungsaktiven Schutzhandschuh) spricht man von Okkulsion. Es steigt die Hauttemperatur und es kommt zur Schweißbildung.
Diesen Effekt nennt man Mazeration, d.h. die Hornhaut erweicht bei langandauernde Feuchtigkeitseinwirkung. Es entsteht die Gefahr einer erhöhten Pilzerkrankung und Bakterienbildung.
